Dr. T. Krüger

Interview mit Dr. Tillmann Krüger (Quarterly 2/2019):

Am 1. April 2019 wird Dr. Tillmann Krüger als neuer Pastor der Gemeinde seinen Dienst aufnehmen. Im Interview stellt er sich und seine Familie vor:

Qu: Lieber Tillmann, wir freuen uns als Gemeinde, dich als neuen Pastor begrüßen zu können. Wie kam es zu dieser Berufung?

TK: Am 4. Juni 2018 erhielt ich einen Anruf von Michael Bendorf, der mich fragte, ob ich mich auf „einen Gesprächsprozess einlassen würde, der in eine Berufung als Pastor an der Friedenskirche münden könnte“.
Das hat mich sehr überrascht, weil ich überhaupt nicht damit gerechnet hatte. Doch kam dieser Anruf in einer Phase, in der ich mich gefragt habe, ob ich noch an der richtigen Stelle bin.
Seit 2003 war ich in der Anskar-Kirche Hamburg-Mitte, seit Januar 2008 als Leitender Pastor. Anfang 2017 ist eine meiner Pastorenkolleginnen an Krebs gestorben. Sie war für viele so etwas wie eine „Mutter der Gemeinde“. Dann ist im März 2018 meine eigene Mutter ziemlich plötzlich gestorben und ich habe für mich gemerkt, dass manches einfach zu einem Ende kommt. Und in diese Situation hinein kam dann der Anruf von Michael.
Als ich auflegte, hatte ich das Wort „Neuanfang“ vor Augen – für uns als Ehepaar, als Familie, aber auch für die Anskar-Kirche. Meine Frau Ute war offen für einen möglichen Weg in die Friedenskirche. Als wir dann zum ersten Ältestentreffen eingeladen wurden, hat es sehr gut gepasst. Ute hat das gut auf den Punkt gebracht: „Wir kamen als Fremde und gingen als Freunde.“ Die weiteren Schritte, das Treffen mit der Gemeindeleitung, die Vorstellung in der Mitgliederversammlung und die Probepredigt sind sehr gut gelaufen und das Wahlergebnis war für uns auch eine schöne Bestätigung: „Dies ist der Weg; den geht!“ (Jes 30,21)
Soweit ich das bisher sagen kann – ich war ja schon auf der Pastoren- Klausur und auf der GL-Klausur dabei: Es passt einfach sehr gut!

Qu: Was bewog dich zu einem Wechsel nach Braunschweig?

TK: Ich habe die Arbeit der Friedenskirche seit vielen Jahren genauer beobachtet. Für mich ist die Friedenskirche ein Leuchtturm mit großer Strahlkraft ins ganze Land hinein.
Mich hat die Teamarbeit in der Gemeindeleitung inspiriert und die Tatsache, dass die Gemeinde seit vielen Jahren kontinuierlich wächst.
Durch meine Tätigkeit als Dozent am IGW hatte ich auch schon seit Jahren gute Kontakte zu Gebhard und Sabine von Krosigk. Als Michael Bendorf mit mir dann über meine Stellenbeschreibung sprach, war ich überrascht: Es war für mich so, als ob ich sie selbst verfasst hätte! Da war alles drin, was ich gerne machen möchte, worin ich auch meine Stärken sehe. Und das zusammen mit der Perspektive, in einer attraktiven und impulsgebenden Gemeinde in einem sehr starken Team zu arbeiten, war für mich eine Tür, die Gott uns geöffnet hat und durch die wir gehen sollen.
Was mir an der Friedenskirche auch sehr gefällt, ist die Kombination von großer Weite und Tiefe. Dies betrifft ja auch die Tauffrage. Oder die verschiedenen Gottesdienstformate, die ich ganz stark finde.
Summa summarum: Es ist für mich eine Ehre, in der Friedenskirche als Pastor arbeiten zu dürfen und ich freue mich sehr auf die Zeit, die vor uns liegt!

Qu: Wo siehst du deine theologischen und gemeindlichen Schwerpunkte?

TK: Das ist nicht so einfach zu beantworten.
Theologisch, wie gemeindlich bin ich recht breit aufgestellt. Ich habe meinen Master mit dem Schwerpunkt „Neues Testament“ abgeschlossen, dann aber eine Dissertation im Bereich „Altes Testament“ verfasst.
Außerdem habe ich zusammen mit anderen 2004 eine Gemeindebibelschule ins Leben gerufen und dort regelmäßig Kurse zu allen möglichen Feldern gehalten. Regelmäßig bin ich auch als Dozent beim IGW und beim Martin-Bucer-Seminar.
Um es auf den Punkt zu bringen: Ich habe eine tiefe Liebe zum Wort Gottes und eine große Offenheit für das Wirken des Heiligen Geistes. Dabei ist für mich wichtig, dass sowohl in meiner Lehre als auch in meinen Predigten das Ganze gut verständlich und praxisnah vermittelt wird.
Für mich ist es am Schönsten, wenn nach einer Predigt ein paar „alte Hasen“ zu mir kommen und sagen: „Das war eine gute Predigt, die mich geistlich weiterbringt“ – und wenn dann auch ein paar Menschen kommen, die noch vor den Toren des Glaubens stehen oder ganz frisch dabei sind und begeistert mitteilen, dass sie etwas neu verstanden haben und sich herausfordern lassen, der Sache mit Gott auf den Grund zu gehen. Das kann natürlich nicht in jeder Predigt geschehen, aber es bleibt für mich ein Ziel.
Gemeindlich habe ich neben pastoralen Aufgaben wie Predigen, Gottesdienstleitung, Lehre, Taufen, Beerdigungen und Trauungen so ziemlich alles gemacht, was es in einer Gemeinde zu tun gibt: Leitung der Jugendarbeit in der Anskar-Kirche Wetzlar, Leitung des Lobpreises, Leitung mehrerer Hauskreise und des Kinderdienstes, redaktionelle Mitarbeit am Gemeindebrief.
Darüber hinaus habe ich den Finanzausschuss in Anskar-Mitte ins Leben gerufen und auch mehrere erfolgreiche Spendenaktionen zur Tilgung von Immobiliendarlehen geleitet – wir konnten zwischen 2010 und 2018 über eine Million Euro tilgen, sodass meine alte Gemeinde inzwischen fast schuldenfrei ist.
Seit seiner Gründung war ich im Leiterkreis des Gebetshauses Hamburg, weil ich Gebet für ganz zentral halte und mich darüber gefreut habe, dass wir ein übergemeindliches Gebetshaus ins Leben rufen konnten. Und ich habe etwa zehn Jahre lang zusammen mit einer Kollegin und einem großartigen Team Grundkurse des Glaubens durchgeführt und durfte jedes Jahr erleben, wie Dutzende von Menschen zum Glauben an Jesus und in der Gemeinde ein geistliches Zuhause fanden. Und im gleichen Zeitraum habe ich den diakonischen Arm meiner ehemaligen Gemeinde gestärkt durch eine wöchentliche Lebensmittelausgabe an Bedürftige und durch die Flüchtlingsarbeit.

Qu: Wie hat deine Familie auf die Berufung nach Braunschweig reagiert?

TK: Meine Frau Ute war, wie schon geschildert, von Anfang an sehr offen dafür. Für unsere Kinder (9, 11 und 13 Jahre) ist es schwerer. Wir haben zwar versucht, sie behutsam mit hineinzunehmen in den Gedanken, dass wir ihre Heimat Hamburg verlassen, um nach Braunschweig zu ziehen.
Wir merken: jeder in der Familie hat da sein eigenes Tempo. Es ist völlig in Ordnung, auch traurig zu sein! Und manchmal überkommt auch uns Eltern ein Gefühl von Wehmut, weil wir eine tolle Zeit mit vielen tollen Leuten und prägenden Erlebnissen hinter uns lassen. Natürlich bleiben einige Freundschaften. Aber es ist klar, dass wir jetzt auch in neue Beziehungen investieren und sich dadurch einiges verschiebt.
Unser vorrangiges Gebet ist, dass die Kinder richtig gut in der Gemeinde und in ihren Schulen ankommen und schnell neue Freunde finden. Ich denke, dass sich das aber im Laufe der Zeit automatisch ergibt. Wir fühlen uns sehr wohl im Kanzlerfeld und genießen es, in einer Stadt zu leben, in der man mit dem Rad überall hin kommt.

Qu: Was wünschst du dir von der Gemeinde?

TK: Einen neuen Laptop 😉 Nein, im Ernst: Ich freue mich auf tiefe, inspirierende Gottesdienste, auf einen gemeinsamen Aufbruch in eine neue Zeit, auf viele Menschen, die zum Glauben finden und getauft und dann im Laufe der Jahre geistlich reif werden.
Wir werden zusammen lachen und weinen und das Leben miteinander teilen. Und dabei immer wieder erleben, wie Gott unter uns gegenwärtig ist, heilt, berührt, verändert, neues Leben schafft. Eine spannende Reise!

Mein Leben in Stichworten

  • geboren am 18.01.1975 in Mainz
  • Seit dem 9.2.2002 (kirchlich; standesamtlich am 8.2.) verheiratet mit Ute (geb. 21.05.1971)
  • Kinder: Johannes (30.11.2005); Elisabeth (18.09.2007) und Sarah (14.04.2010)

Ausbildung

  • 1995 Abitur (Stefan-George-Gymnasium in Bingen am Rhein)
  • 1997-2001 Studium der Theologie an der Freien Theologischen Akademie (FTA) in Gießen (jetzt: Freie Theologische Hochschule)
  • 2001 M.A. in Biblical and Theological Studies (verliehen von der University of Gloucestershire in Cheltenham, England, durch ein Partnerprogramm)
  • 2006 Doctor of Philosophy (PhD), verliehen von der University of Gloucestershire

Berufliche Stationen

  • 2003-2004: Vikariat in der Anskar-Kirche Hamburg-Mitte
  • 2005-2008: Pastor der Anskar-Kirche Hamburg-Mitte
  • 2008-2018: Leitender Pastor der Anskar-Kirche Hamburg-Mitte (von Nov 2018 bis Ende Januar Pastor dort im Team, da ich die Leitung übergeben hatte, als klar war, dass ich nach Braunschweig berufen werde)
  • 2013-2019: Gesamtleiter der Anskar-Kirche Deutschland
  • seit April 2019: Pastor der Braunschweiger Friedenskirche

Ehrenämter

  • Mitglied im Leiterkreis der Evangelischen Allianz Hamburg (2007-2019)
  • Mitglied im Leiterkreis des Gebetshauses Hamburg (2015-2018)
  • Vorstandsmitglied von IGW international (seit 2017)
  • Vorstand in diversen Vereinen und Stiftungen, im Zusammenhang mit der Leitung der Anskar-Kirche Hamburg-Mitte und/oder der Anskar-Kirche Deutschland
  • Mitglied im Leiterkreis des Kreises charismatischer Leiter Deutschland (seit 2018)

Hobbies

  • Klavier- und Gitarrespielen
  • Wandern
  • Radfahren
  • Lesen
  • Genießen (Wein, Whisky, Zigarren, gutes Essen …)