Dr. M. Bendorf

Interview aus „Die Zeitung“ 4/2015

Bendorf-Michael

 

DZ: Michael, in Deiner Vita lesen wir von ganz anderen Berufen. Wie bist Du zum Pastor geworden?

MB: Tatsächlich habe ich etwas erfahren, was wir Berufung nennen. Ich bekam sie im Jahr 2000, als ich intensiv an meiner Doktorarbeit gearbeitet habe. In meiner Gebetszeit gab Gott mir sehr deutlich den Impuls, dass er mich in einen pastoralen Dienst stellen würde. Das kam für mich völlig überraschend.

DZ: Was hat Dich bewogen Deinen Beamtenstatus und Deine Professur in Göttingen aufzugeben?

MB: Dieses Reden Gottes hat in mir tiefe Spuren hinterlassen. Ich konnte nicht mehr so tun, als ob Gott nicht gesprochen hätte. Er hat eine Saat in mein Herz gelegt und diese Saat ging nach und nach auf. Ich begann ein theologisches Fernstudium, dem folgte – parallel zu meiner Lehrtätigkeit – das Studium an der Theologischen Fakultät an der Universität Göttingen. Ich erinnere mich noch sehr gut an den Moment, als ich dann die Professur in Vertretung übernahm und in meinem neuen großräumigen Büro saß. Rein menschlich war es perfekt, aber in dem Moment sagte der Heilige Geist zu mir: „Und das ist nicht das, was dein Herz begehrt.“ Und so war es auch: Mein Herz wollte einen anderen Weg gehen. Ich kündigte und ging in den pastoralen Dienst. Bis heute habe ich diesen Schritt nicht eine Sekunde bereut.

DZ: Inwiefern haben Deine ersten Berufe etwas mit Deinem heutigen zu tun?

MB: Auch wenn geistliche Leitung von der Dimension her noch einmal ganz anders ist als Management oder Unternehmensführung, kann ich doch viele wertvolle Impulse in die Entwicklung und Strukturierung von Gemeinde einbringen. Darüber hinaus sind mir meine Kenntnisse und Kompetenzen aus der Didaktik, der pädagogischen Psychologie und Kommunikationspsychologie sehr hilfreich in der Begleitung und Förderung von ehrenamtlichen Mitarbeitern. Gott sei Dank ist unser Herr ja nicht nur in der Theologie unterwegs, sondern hat alle Bereiche unseres Lebens vor Augen.

DZ: In welchen Bereichen hattest Du in der Hannoveraner Gemeinde Deine Schwerpunkte?

MB: Als ich meinen Dienst begann, hatte ich zunächst neben den allgemeinen pastoralen Aufgaben einen Schwerpunkt im Bereich „junge Erwachsene“. Wir wollten für 20- bis 35-Jährige neue Angebote hinsichtlich Jüngerschaft, Evangelisation und Gemeinschaft entwickeln. Gemeinsam mit einem Kollegen aus der Gesamtgemeinde Hannover habe ich unter dem Dach des Biblisch-Theologisch Instituts eine Bibelschule für junge Erwachsene geleitet. Darüber hinaus lag meine Verantwortung in den Bereichen Glaubenskurse, Gabenseminare, Mentoring und Israel. In den letzten Jahren habe ich viel Zeit in die Entwicklung eines neuen Leitbildes unserer Gemeinde sowie in die Erarbeitung eines neuen Konzepts für die Förderung und Begleitung von ehrenamtlichen Mitarbeitern investiert. Der Grundgedanke geistlicher Leiterschaft lag und liegt mir besonders am Herzen.

DZ: Wo bist Du neben Deinem Beruf als Pastor engagiert?

MB: Ich bin Aufsichtsratmitglied im Diakoniewerk Kirchröder Turm e.V.. Zudem unterrichte ich ausgesprochen gerne am Biblisch-Theologischen Institut Hannover und am IGW in Braunschweig. Darüber hinaus erfülle ich noch meinen externen Lehrauftrag an der Universität Göttingen.

DZ: Der umfangreiche Anforderungskatalog der Friedenskirche hat Dich nicht abgeschreckt. Wo siehst Du die größte Herausforderung der nächsten Jahre?

MB: Die Friedenskirche erlebt seit Jahren ein sehr ermutigendes Gemeindewachstum und die Ältestenschaft schreibt sehr konkrete und messbare Ziele für die kommenden Jahre nieder – aktuell ist es ja die Vision für das Jahr 2025. Dieses Papier zu lesen ist ermutigend und herausfordernd zugleich. Nun ist Papier bekanntermaßen geduldig und wir wissen, dass diese Ziele nur durch den Heiligen Geist erreicht werden können. Wir wollen beten und glauben, dass sich das Reich Gottes auch sehr konkret ausdrücken kann und will. Damit ist zugleich die Herausforderung angedeutet: Welche Wege sind aus der Leitungsperspektive her zu gehen und welche Entscheidungen sind zu treffen, damit diese Vision Wirklichkeit werden kann? Wie kann es uns gelingen, dass wir nicht nur äußerlich wachsen, sondern auch innerlich an geistlicher Reife zunehmen? Wie bleiben wir nahe beieinander und am Herzen Gottes? Wie gelingt es uns, Menschen in unsere Gemeinschaft zu integrieren und ihnen ein Zuhause anzubieten? Hier gilt es, sehr sensibel das Führen und Reden des Heiligen Geistes zu erspüren und im Sinne des Reiches Gottes den Herzschlag Gottes für Braunschweig wahrzunehmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Mein Leben in Stichworten

geboren 1970 in Lüchow

seit 1998 verheiratet mit Christina

Kinder: Leonard (2006), Julius (2008)

 

Ausbildung

1990 Abitur

1990 – 1992 Ausbildung zum Bankkaufmann

1992 – 1993: Zivildienst bei den mobilen sozialen Diensten der Diakonie

1993 – 1998: Studium der Wirtschaftspädagogik an der Universität Göttingen

2001: Promotion (Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung)

2007: Habilitation (Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung)

2006 – 2008: Studium der Theologie an der Universität Göttingen

2010 – 2013: Kontaktstudium an der Theologischen Hochschule Elstal

2013: Ordination zum Pastor des BEFG

 

Berufliche Stationen

1999 – 2001: Wissenschaftlicher Angestellter am Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung

2002 – 2007: Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung

2008 – 2009: Leitung des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung

2009 – 2015: Pastor in der EFG Hannover-Walderseestraße

seit August 2015: Pastor der Braunschweiger Friedenskirche

 

Ehrenämter

seit 2009: Privatdozent an der Universität Göttingen
seit 2011: Dozent am Biblisch-Theologischen Institut Hannover
seit 2012: Dozent am Institut für Gemeindebau und Weltmission (IGW)
seit 2013: Mitglied des Aufsichtsrats Diakoniewerk Kirchröder Turm e. V.
seit 2015: Mitglied der Studienleitung der Pastorenschaft des Landesverbandes NOSA im BEFG
seit 2016: Mitglied des Fachbeirates der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal

 

Hobbies

Joggen

Bergsteigen

Lesen