B. Koß-Misdorf

Interview aus „Quarterly 3/18“ (Juli 2018)

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Mitgliederversammlung am 10. Dezember 2017 wurde Britta Koß-Misdorf zum 1. September 2018 als Pastorin im Anfangsdienst berufen. Wie es dazu kam und was sich für sie verändert, erzählt sie im Interview.

Qu: Britta, mit Deinem Namen verbindet man sofort die erfolgreiche Jugendarbeit in der Braunschweiger Friedenskirche. Seit wann bist Du in diesem Bereich tätig?

Britta: Ich arbeite seit September 2006 mit einer halben Stelle als Jugendreferentin in unserer Gemeinde. Der Weg zu dieser Entscheidung war spannend und brachte eine große und unerwartete Veränderung in mein Leben.
Wenige Jahre nach unserer Hochzeit planten Winni und ich, ein Kind zu bekommen. Aber wie das manchmal mit unseren Plänen im Leben so ist: Wir mussten feststellen, dass wir keine Kinder bekommen können. Wir machten uns über Adoption Gedanken und auch darüber, Pflegekinder aufzunehmen. Aber wir hatten das Gefühl, dass Gott zu all dem nicht „ja“ sagt. Irgendwann baten wir Heiner um ein Gespräch, um mit ihm über unseren Kummer und auch darüber zu sprechen, wie es weitergehen könnte. Dabei hatten wir keine Gedanken an hauptamtliche Mitarbeit in der Gemeinde oder ähnliches. Eine Weile nach diesem Gespräch kam Heiner auf mich zu und fragte mich, ob ich mir vorstellen kann, in der Jugendarbeit tätig zu werden. Das war eine Anfrage „aus heiterem Himmel“. Zu dieser Zeit war ich als Lehrerin tätig, und ich war verbeamtet. Der Schritt in die hauptamtliche Mitarbeit in der Gemeinde bedeutete die Kündigung meines Beamtenverhältnisses und das Loslassen all der damit verbundenen Sicherheiten.
Es brauchte viele Gebete und Gespräche, viel Nachdenken, viele Momente der Unsicherheiten und Ängste bis Winni und ich von ganzem Herzen diesen Schritt gehen konnten. Über die Jahre durften wir erleben, dass Gott unseren Weg gesegnet hat und dass wir genau die richtige Entscheidung getroffen haben. Gottes Pläne und Wege sind manchmal anders als wir es uns erhoffen, aber sie sind immer perfekt!

Qu: Welches waren Deine Aufgaben und wie hast Du sie erlebt?

Britta: Die Aufgaben in der Jugendarbeit sind vielfältig. Ganz zu Beginn war ich neben der gemeindlichen Jugendarbeit noch für die offene Arbeit in der Scheune zuständig, die sich an die Teens und Jugendlichen aus unserem Stadtteil richtet und die zu der Zeit gerade begonnen hatte. Da ich nur eine halbe Stelle hatte, merkten wir bald, dass diese ganzen Aufgaben zeitlich nicht zu bewältigen sind. So wurde damals Lilly Reschke für die „Scheunenarbeit“ eingestellt und hat diesen Bereich mit viel Liebe und Engagement aufgebaut. Heute wird die offene Jugendarbeit hervorragend unter der Leitung von Fabi Knittel fortgesetzt. In der Gemeindejugendarbeit bin ich zuständig für die einzelnen Gruppen wie TIA, TIM, All Stars, anfänglich auch die TAW, die heute im Verantwortungsbereich von Johannes Knittel liegt. Neben den wöchentlichen Gruppen leite ich unter anderem Teenie- und Jugendhauskreise, begleite Teens und Jugendliche seelsorgerlich, bin Mentorin, führe Mitarbeitergesprächeund bin zuständig für die Kommunikation mit dem Jugendamt – mein Aufgabenbereich ist vielfältig. Zusätzlich bin ich Mitglied in der Gemeindeleitung und im Ältestenkreis.
Am Anfang war die Rede von der erfolgreichen Jugendarbeit. Es gibt vieles, worüber ich mich von Herzen freue: Zum Beispiel, wenn Teens in ihrem Glauben wachsen und sie ihren Platz in der Gemeinde und im Leben finden. Wenn gute und tragfähige Beziehungen zu Gott und unter den Teens und Jugendlichen entstehen, sie sich in der Gemeinschaft wohl und geborgen fühlen.
Es gibt aber auch Dinge, die mir Kummer machen. Vor allem, wenn Teens oder Jugendliche nicht mehr zur Gemeinde kommen und ihre Beziehung zu Gott keine Rolle mehr in ihrem momentanen Leben spielt.  Ich kann ihnen dann nachgehen, für sie beten, aber manchmal muss ich die Situation einfach aushalten.

Qu: Was bewog Dich vor ungefähr drei Jahren, noch einen neuen beruflichen Weg einzuschlagen und wie weit bist du mittlerweile?

Britta: Nach ungefähr sieben Jahren in der Jugendarbeit begann ich Gott zu fragen, wie es weitergehen soll. Jugendarbeit bis zur Rente? Vielleicht irgendwann zurück in die Schule? Hauptamtlich in der Erwachsenenarbeit der Gemeinde? Als Pastorin?
Als ich von der Möglichkeit des sogenannten theologischen Kontaktstudiums erfuhr, fragte ich Gott, ob das mein Weg sein könnte. Die Türen öffneten sich, und so bewarb ich mich im Juli 2015 in Elstal für dieses Studium. Nach Abschluss des Fernstudiums, zu dem das Schreiben von Hausarbeiten und die Teilnahme an Studientagungen in Elstal gehörten, bin ich jetzt im Präsenzsemester. Von Montag bis Freitag bin ich in Elstal, nehme an den Lehrveranstaltungen dort teil und freue mich über das, was ich lernen kann. Aber ein Leben an zwei Orten, also in Braunschweig und in Elstal, fordert mich auch ein Stück weit heraus. Trotzdem genieße ich diese Zeit. Mitte Juli werde ich dann „fertig“ sein.

Qu: Der 1. September 2018 wird für Dich der Beginn eines neuen Lebensabschnitts sein. Was verändert sich für Dich?

Britta: Ab dem 1. September werde ich mit einem Umfang von fünfzig Prozent als Pastorin in der Braunschweiger Friedenskirche eingestellt, erstmal befristet auf drei Jahre, in denen ich meinen Anfangsdienst absolviere. Am 14. Oktober wird meine Ordination sein. Zunächst wird sich allerdings nicht so sehr viel ändern, da ich noch bis März nächsten Jahres die bisherigen Aufgaben in der Jugendarbeit wahrnehme. Danach werde ich in die Arbeit und in die Aufgaben als Gemeindepastorin einsteigen, worauf ich mich schon sehr freue. Gleichzeitig empfinde ich es als positive Herausforderung, eine solch verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen zu dürfen. Diesen Weg gehe ich im Vertrauen auf Gott und in der Offenheit, mich von ihm gebrauchen zu lassen.

Qu: Wie können wir als Gemeinde Dich unterstützen?

Britta: Ich freue mich natürlich sehr, wenn die Gemeinde für mich betet. Diese „stille Unterstützung“ ist womöglich das Wichtigste. Auch konstruktives Feedback und Zuspruch können sicherlich helfen. Hier habe ich in der letzten Zeit viel Ermutigung von verschiedenen Menschen aus der Gemeinde erfahren. Dafür bin ich von Herzen dankbar!

 


Mein Leben in Stichworten

geboren 1969 in Salzgitter

seit 2001 verheiratet mit Winfried

 

Ausbildung

1990 Abitur

1990 – 1995 Studium für Lehramt an Grund- und Hauptschulen an der TU Braunschweig

1996 – 1997 Referendariat, Oktober 1997 zweites Staatsexamen

2015 – 2018 Kontaktstudium an der Theologischen Hochschule Elstal

2018 Ordination zur Pastorin des BEFG

Berufliche Stationen

1997 – 1999 Lehrkraft bei freien Bildungsträgern

1999 – 2006 Lehrkraft an der Haupt- und Realschule Weyhausen, seit 2002 im Beamtenverhältnis

2006 – 2018 Jugendreferentin der Braunschweiger Friedenskirche

2018 Pastorin in Anerkennungszeit in der Braunschweiger Friedenskirche

 

Hobbies

Lesen

Reiten